Sonntag, Mai 18, 2008

Kein Rattenfänger von Hameln

Sehe ich vielleicht aus, wie eine zu groß geratene Katze? Schon merkwürdig, was Sie so von mir erwartet. Also seit einiger Zeit schon habe ich in meinem Garten so einen komischen Geruch in der Nase. Irgendetwas tappelt da immer durch mein Gras. Sie hatte gestern aus dem Kellerfenster heraus wohl schon den Besitzer zu diesen Füße gesehen und mich in den Garten geschickt - da konnte ich allerdings nichts finden. Es war zumindest keine Katze da, die ich hätte ein wenig durch die Gegend scheuchen können.

Heute also geht Sie raus auf meine Terasse und fängt ganz komisch an zu quieken. Sie ruft mich und will, dass ich irgendetwas verjage. Ich renne raus, runter in den Garten - da ist nichts. Nur wieder der komische Geruch, den ich nicht einsortieren kann und der von überall zu kommen scheint.

Er wühlt dann etwas auf der Terasse herum und sie ruft mich zu sich. Und als ich da gerade so neben ihr stehe, rennt eine Ratte Ihr fast über die Füße und direkt vor meiner Nase vorbei. Ich stupste der Ratte fast meine Nase ins Fell und unterzog ihren langen Schwanz einer intensiven Geruchsprüfung - naja, zumindest so intensiv, wie es die Umstände zuließen.

Sie schaute mich verdutzt an und war letztlich sehr froh darüber, dass ich keinerlei Anstalten gemacht hatte, die Ratte zu fangen, sondern es lediglich bei meiner überzeugenden Präsenz beließ. Pah, ich tue halt keiner Fliege - äh Ratte - was zuleide. Interessant ist doch nur, wenn sie Rennen. Wenn ich zubeiße, rennen sie ja nicht mehr.

Sonntag, April 20, 2008

Therapiehund? Kann ich!

Hach, war das ein lustiger Tag. Sie ist mit mir zu einem Gebäude mit etwas Auslauf drumherum gefahren, wo wir andere Hunde getroffen und spaßige Dinge gemacht haben. Ich hörte was davon, dass die anwesenden drei Mädels das wohl schon seit Monaten machten und heute ein Prüfung ablegen sollten. Therapiehund. Hm.. was auch immer das sein soll. Die Aufgaben, die wir da bekamen - denn ich durfte auch als Neuling da so mitmachen - waren jedenfalls lustig.

Mich umarmen lassen? Klar. Ich weiß zwar nicht, was daran toll sein soll, aber ich weiß ja schon seit einiger Zeit, dass ich die Umarmung nicht mit anschließendem überschwenglichem Anspringen und Lefzen lecken beantworten soll.

Im Weg rumliegen? KLAR! Das kann ich perfekt! Ich liege, Mensch kommt vorbei und will da lang. Dann soll er halt einen großen Schritt machen. Ich stehe da doch nicht auf. Pah, soweit kommt es noch. Und wenn er dabei mich leicht anrempelt? Was soll's. Einen Fragenden Blick hinterher geworfen, ob das Absicht war und weiter im Weg rumliegen. Ist schließlich eine wichtige Arbeit.

Futter aus der Hand fressen? Leichteste und leckerste Übung!

Naja, und noch vieles mehr. Einzig doof fand ich, als Sie aus dem Raum gegangen ist und mich mit den anderen zurück gelassen hat. Das wäre ja nicht das Problem gewesen - hätte Sie nicht auch noch die Tür zugemacht!! Geschlossene Türen sind doof! Da muss ich hin und gegen hauen. So geht das ja mal nicht.

Kurz und gut: Ich hätte die Prüfung vermutlich sogar auf Anhieb bestanden. :)
Sie war da ganz happy drüber, weil ich auf jeden Fall die Erlaubnis hätte, im Herbst diese komische Ausbildung dazu zu machen. Andererseits schien sie mir ein wenig amüsiert und nachdenklich darüber, dass eben jene Ausbildung wohl wenig 'Bildung' bei mir bringen würde.

Montag, Dezember 03, 2007

Neue Daten - alte Fans

Ich durfte nach langer Zeit mal wieder zu der Frau mit den vielen Leckerlis in dem Raum, in dem es nach so vielen anderen Tieren riecht. Im Vorraum die obligatorische Runde über die Metallplatte gemacht: 37 Kg! Es wird doch. Sie meinte was davon, dass es zu meinem größeren Kopf und Statur passen würde.

Von der Platte dann direkt zur Durchgangstür, ein paarmal musste ich dran kratzen, bis man mir endlich aufmachte, dann startete ich durch - Sie halb hinter mir her ziehend und an der netten Frau vorbei. Man muss ja gleich klar machen, worauf es ankommt. Also blieb ich erst in Blickweite und Richtung der Leckerli-Dose stehen. Rauf auf den Metalltisch und die erste Handvoll Futter abgegriffen. Ein paar Ladungen und zwei gemeine Pickser in meinen Rücken später habe ich es mir dann erstmal auf der erhöhten Position bequem gemacht. Halb seitlich abgelegt, Schnauze auf der leicht erhöhten Randposition, die nette Frau und die Futterdose gut im Blick, Sie im Rücken, mir leicht das Fell kraulend. Perfekt. So hätte ich eine Weile bleiben können.

Die Frau meinte irgendwas zu Ihr, dass ich so entspannt wäre, dass mein Puls nichtmal ein klein wenig erhöht wäre. Warum auch? Sooo aufregend ist die Extra-Portion Leckerli doch auch nicht. Ein paar Bewundersworte über mein schönes Äußeres nahm ich dann noch huldvoll entgegen. Weitere Leckerlis wären MIR allerdings lieber gewesen.

Samstag, Oktober 20, 2007

Herbsteinsichten

Diese Jahreszeit gefällt mir. Der Boden ist schön schmodderig, überall findet man leckere und erfrischende Pfützen und im Feld und Wald sieht man hin und wieder einen lustigen Spielkameraden, den Sie 'Reh' nennt. Dummerweise sieht Sie das - natürlich - mal wieder alles anders. Eine echte Spaßbremse. Die Rehe darf ich nie verfolgen, einen Wunsch, den ich widerstrebend aber gehorsam respektiere. Aber was meine Schönheitspflege angeht, bin ich nicht verhandlungsbereit. Schlammbaden muss sein, lästiges Abrubbeln zuhause dagegen gar nicht!

Mittwoch, September 12, 2007

Freud und Leid

Heute war 'Badetag'. Für mich leider real - für Sie ein Wechselbad der Gefühle. Aber der Reihe nach: Wir hatten mal wieder unterschiedliche Vorstellungen über 'wohlriechend'. Mein selbst gewähltes 'Parfum', dass ich auf unserem Spaziergang am Feldesrand fand, bestand leider nicht vor Ihr. Zuhause angekommen hörte ich schon, wie Sie nach Verstärkung rief und beobachtete die Vorbereitungen zum Schaumbad. Kurz überlegte ich, ob ich Widerstand leisten solle und schlug den Weg zum Versteck unter dem Esstisch ein. Spontan entschied ich mich um. Ich ließ mich ins Bad führen und fügte mich dort in mein Schicksal: Bevor ich würdelos in die Wanne gehieft werde, beschloss ich, elegant selbst hinein zu steigen. Sie war hocherfreut.

Meine selbst gewählte Belohnung wenig später erfreute Sie seltsamerweise aber gar nicht. Dabei kann sie diese unpraktischen Dinger mit den langen Stöcken drunter auf unseren Ausflügen doch sowieso nicht brauchen. Und wo sollte sie sonst hin gehen? Also führte ich diese lecker nach ihren Füßen riechenden Lederdinger einer sinnvollen Verwendung zu: Kauknochen.

Samstag, August 25, 2007

Stressige Zeiten

Es kommt Verstärkung?! Hm, zu früh gefreut. Also als wir in die Hundeschule kamen, meinte Sie in die Runde, ob jemand einen schwarzen Hovawart haben möchte. Ich dachte erst, super, ein neuer Verwandter in der Gruppe. Bis ich plötzlich begriff, dass sie MICH damit meinte. Welch ein Schock! Prompt ging das andere Ende meiner lästigen Leine an den Menschen, den ich ein wenig unheimlich finde. Ich dachte schon, jetzt ist es vorbei mir meinem schönen Zuhause.

Ein paar Übungen später stand dann aber doch Sie wieder an meiner Seite. Hach, war ich erleichtert und habe das dann auch mit bewundernden Blicken gezeigt. So zwei Hundebell-Längen lang.

Aber was erwartet Sie denn auch von mir? Das Leben ist ganz schön verwirrend derzeit. Überall riecht es lecker nach Hundedamen, die sich nur nach meinem Besuch sehnen! Wie sollte ich bei dem Geruch in der Nase an so Dinge wie 'Komm her', 'Sitz' oder so Zeug denken können? Ich habe ja noch nichteinmal Zeit zum Essen. Und wenn Sie dann mal wieder versucht, mich für ein versehentliches Befolgen irgendwelcher Kommandos mit Futter zu belohnen, zeige ich Ihr auch gleich, was ich von Bestechung halte: Ich spucke ihr das Zeug einfach vor die Füße!

Aber dass Sie mich deswegen gleich aus dem Haus werfen möchte? Wird ja wohl auch nichts damit zu tun haben, dass ich für mich den leckeren Couchtisch als Hundeknochen wieder entdeckt habe? Oder dass ich das langweilige Menschendasein mit meinem lieblichen Gesang untermale? Geschweige denn, dass ich der Meinung bin, dass meine Position in dem Haushalt überdacht werden sollte. Kann ja auf die Dauer irgendwie nicht sein, dass ICH nicht auf dem Sofa sitze, oder im Schlafzimmer schlafe, oder dass nicht Ich vorgeben sollte, wann ich in die Welt hinaus möchte und wann nicht. Oder doch???

Montag, August 06, 2007

Neues vom Humpelfuss

Die letzten Monate waren mehr oder weniger ereignislos - doch ab heute möchte ich meine geneigte Leserschaft gerne wieder etwas an meinem Leben teilhaben lassen.

'Sie' bezeichnet mich nun stets als 'Halbstark'. Was auch immer sie damit meint. ICH jedenfalls finde mich voll stark.

Heute ist mir etwas dummes passiert. Ich habe beim Spaziergang am Rhein etwas spitzes, scharfes gefunden. Unter meiner rechten Pfote. Das an sich ist ja schon mal gar nicht gut. Was dann aber folgte, irritierte mich fast mehr. Sie hat mir dann so Tücher um den siffenden Fuss gebunden und mich - als wäre ich ein Schaf! - über die Schultern geworfen. Wie würdelos! Und zudem nicht wirklich bequem. Mein Unbehagen habe ich auch etwas unsanft hin und wieder zum Ausdruck gebracht, aber es half nichts. Sie hat mich durch den Wald zurück zum Auto getragen, auch wenn ich mir zwischendurch wesentlich mehr Sorgen um Sie machte als um meine blutende Pfote.

Das Haus mit den vielen tollen Gerüchen und den netten Frauen verliess ich dann mit einem schrecklichen, völlig unmöglichen, inakzeptablen, riiiieesigen Verband an meiner Pfote. Den habe ich in einem unbemerkten Moment Zuhause gleich erstmal ein wenig zurecht gestutzt. Ging ja mal gar nicht! Sie hatte aber irgendwas dagegen, dass ich ihn vollständig entfernte. Aus Protest habe ich mich dann darauf verlegt herzerweichend zu humpeln. Irgendwie muss ich Ihr mein Missfallen ja kund tun. Also streikt meine Pfote ab sofort.

Bei 'Ihm' hat es auch prompt gewirkt. Auch wenn ich mich damit fast um meinen Abendspaziergang gebracht hätte. Er weigerte sich nämlich, mit mir auf meinen drei verbliebenen Pfoten meine mir zustehende Runde zu drehen. Sie sah das anders. Und ich vergaß peinlicherweise für einen kurzen Moment meine schreckliche, inakzeptable (und so weiter) Situation, als ich die nachbarliche Katze an der Straßenecke sitzen sah. Einen kurzen Zwischensprint später hatte ich aber alles wieder im Griff - auch wenn so ein Spaziergang auf drei Pfoten ganz schön anstrengend ist.